Weshalb Sie (k)ein Buddhist sind

Weshalb Sie (k)ein Buddhist sind

Buch gelesen:
Dzongsar Jamyang Khyentse
Weshalb Sie (k)ein Buddhist sind

Dieses Buch habe ich einfach mal in einer normalen Buchhandlung gefunden und ohne es zu kennen oder davon gehört zuhaben, gekauft. Das Versprechen, den Buddhismus einfach und in moderner und somit evt. für mich verständlicher Sprache erklärt zu bekommen, hat mich magisch angezogen. Um es vorweg zu nehmen: Der Inhalt erfüllt dieses Ziel ganz gut, aber hat keine Chance zu schaffen, was unmöglich zu sein scheint. Aber der Reihe nach:
Das wohl wichtigstes am Buch ist die Übersetzung der vier Wahrheiten, die dem Buddhismus zu Grunde liegen:

  1. Alle zusammengesetzten Dinge sind vergänglich
  2. Alle Gefühle sind Schmerz
  3. Alle Dinge haben keine eigenständige Existenz
  4. Erwachen ist jenseits von Konzepten

Das Buch ist um diese 4 Wahrheiten gestrickt und der Autor versucht, sie mit Alltagsbeispielen zu erklären. Und hier offenbart sich ein grundlegendes Problem: Während man die Basis der 4 Wahrheiten noch einigermaßen gut in Wort und Schrift erklären kann, so unmöglich ist diese Erklärung, wenn es um „transzendieren“ oder „kontemplieren“. Die Erfahrungen dieser Fähigkeiten sind nicht mehr (oder noch nicht) mit Worten zu beschreiben und damit naturgemäß schwierig in einem Buch abzubilden. Und so verläuft sich das Buch im 3. Drittel dann auch in Allgemeinaussagen, die einem „Unwissenden“ aber nichts bringen. Schade, aber verständlich. Trotzdem fand ich das Buch gut zu lesen und einige Erkenntnisse waren für mich dabei (2).

Hier noch ein meine Notizen zum Inhalt:

  • Buddha war/ist kein Gott, und „man solle nicht eine Person verehren, sondern vielmehr die Weisheit, die diese Person lehre“
  • Die Vorstellungen von Glück und Erfolg sind unsere Babyrasseln für Erwachsene
  • Reife ist nur ein anderer Aspekt von Verfall
  • Wir laufen der Erfüllung der Erwartung hinterher, wir könnten eines Tages ein Stadium erreichen, in dem wir niemals mehr irgendwas in Ordnung bringen müssen
  • Warum sollte jemand mit einem klaren Verstand wegen etwas Tränen vergießen, von dem er weiß, dass es sich schließlich verflüchtigen wird oder zurückgelassen werden muss?
  • Jegliche Form (z.B. Fleisch/Knochen/Gegenstände/Gefühle/alle unsere Wahrnehmungen)
    • ist zusammengesetzt
    • unabhängig von seinen Teilen nicht existent
    • unterliegt zahllosen und unsichtbaren Einflüssen (komplex!)
    • ständigem Wandel unterzogen
    • letztendlich vergänglich
    • wird erschaffen und fängt dann sofort an zu sterben
    • steht damit im Widerspruch zu unserer Sehnsucht nach Dauerhaftigkeit
  • Der Hunger des Geistes nach Bestätigung gründet auf unserer Angst vor Vergänglichkeit
  • Wir vergessen, dass unsere Tage gezählt sind (Vgl. dein Verhalten, wenn du erfährst, dass jemand nur noch 2 Tage zu leben hat)
  • Hoffnungslosigkeit ist, genau wie ihr Gegenteil, die blinde Hoffnung, das Ergebnis des Glaubens an Beständigkeit
  • Für viele besteht der Sinn des Lebens darin, den ständig wechselnden Definitionen von Glück nachzujagen. Durch materiellen Gewinn oder spirituelle Methoden. Glück ist aber kein Ziel, sondern ein Konzept!
  • Jegliche Gefühle (negative und positive!) sind die Wurzel von Leiden, da sie aus einem Egoismus geboren sind und zwar indem sie ein Festhalten am Ich beinhalten.
  • In jeder Emotion gibt es ein Element des Urteilens
  • Glück und Unglück sind ein Konzept → Konzepte fallenlassen! = tranzendieren, dann: Glückseligkeit!
  • Dem entgegen steht unsere Sucht nach unserem Ich – unsere Gewohnheit des Ich: Es ist das Ich, das Versagen fürchtet und sich nach Erfolg sehnt usw.
  • Im Kampf gegen das Ich begegnen wir Waffen wie: Verlangen, geistige Dumpfheit, Stolz, Konflikt, Arroganz, Besessenheit, Unbewusstheit, Gier, Leidenschaft, Selbstmitleid, Rassismus, Neid
  • All das ist Leiden, was die Qualität von Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit hat
  • Die wahre Quelle unserer Angst in Nichtwissen
  • Unsere Vorstellungen sind für uns so real, dass wir in dem Kokon in der Falle sitzen. Aber wir können uns einfach daraus befreien, indem wir erkennen, dass dies alles nur unsere Einbildung ist.
  • Es ist nicht die Erscheinung, die dich fesselt, es ist das Anhaften an der Erscheinung, das dich fesselt.
  • Nichts hat eine feste Bedeutung = Leerheit, wir geben den Dingen eine Bedeutung
  • Wenn sie Leerheit begreifen, verlieren sie das Interesse an dem ganzen gesellschaftlichen Drum und Dran an den Glaubenssätzen, die die Gesellschaft aufgebaut hat
  • Leerheit != gleichgültig, Leerheit = Verantwortung und Mitgefühl
  • Wenn wir alle Erwartungen, Hoffnungen, Glaubenssätze, Konzepte fallen gelassen haben, sind wir frei (Buddhismus: Nirvana, Erleuchtung)
  • Wir ent-decken die Erleuchtung, die immer schon da war. Sie ist ein Teil unserer wahren Natur und „nur“ verschmutzt“ durch unsere Konzepte
  • Wie verhält sich jemand, der über alle Gefühle hinausgegangen ist? Nicht sanftmütig oder schwebend und auch nicht teilnahmslos oder dumpf, sondern voller Gelassenheit, Liebe und Mitgefühl
  • Wenn es uns mit dem Erlangen der Erleuchtung ernst ist, brauchen wir die Stärke, Dingen zu entsagen, die uns enorm wichtig erscheinen und müssen uns den Dingen stellen, die uns enorm Angst machen.

Mein Fazit: Es geht um das Vermindern von Leiden. Das kann durch das Streben nach Glück und Erfolg temporär erreicht werden. Das ist aber nicht nachhaltig und sehr Energie raubend. Sich über das Konzept von Glück und Unglück zu stellen, lässt automatisch das Leiden verschwinden. Dazu müssen wir uns von unseren Konzepten freimachen und unsere wahre Natur zum Vorschein kommen lassen. Dieser Weg geht über das Loslassen der Dinge, die uns wichtig sind. Dazu müssen wir die Dinge aus unserem Leben entfernen können (was wir dann auch nicht mehr müssen ;-) )

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