Führung und Erziehung

14. Januar 2013

Sporthallenboden mit Farblinien
Hat Führung etwas mit Erziehung zu tun? Oder (auch) umgekehrt?
Ich bin nahezu täglich mit beiden Themen konfrontiert und mir fällt auf, dass es Parallelen gibt. Auch Teilnehmern meiner Führungskräfteworkshops bemerken hier und da und eigentlich immer ein wenig flachsig: “Führung ist ja ein bisschen Papa/Mama sein für die Mitarbeiter”. Natürlich kann man beides nicht gleichsetzen. Es handelt sich doch bei um sehr unterschiedliche Gruppen, in Bezug auf Vorbildung, Erfahrung und Alter.
Und doch: Es gibt Gemeinsamkeit zwischen Eltern und Führungskräften auf der einen Seite und Kindern und Mitarbeitern auf der anderen. Das fängt schon bei den Führungsstilen an. Wenn wir uns die Stile autoritär, kooperativ/demokratisch/partizipativ und Laissez-faire anschauen, so finden wir, dass auch Eltern aus dem vollen Repertoire situationsbedingt, den jeweils richtigen Umgang mit ihren Kindern anwenden sollten. Wenn wir uns die Fähigkeit von Eltern mit den Emotionen ihrer Kinder klarzukommen anschauen, dann finden wir analoges im Portfolio einer guten Führungskraft. Weiterhin ist die Fähigkeit begeistern zu können, beiden Zielgruppen gemein, wollen sie Motivation für eine Sache bei Mitarbeitern oder bei Kindern ermöglichen. Auch Themen wie Lob, Kritik und Erwartungsmanagement kennen beide Gruppen. Ganz zu schweigen von der Aufgabe eine persönliche und inhaltliche Weiterentwicklung zu ermöglichen.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Die Intensität der einzelnen Aufgaben von Führungskräften und Eltern variiert natürlich und hängt von vielen Faktoren ab. Es lassen sich eben nicht alle Mitarbeiter (und Kinder) über einen Kamm scheren. Aber auch die Aufgabe, zu erkennen, welche Aufgabe zu welchem Zeitpunkt im Vordergrund steht, eint Führungskräfte und Eltern.
Da scheint also viel Gemeinsames drinzustecken. Warum ist das so?
Nun, ich denke, wir alle brauchen eine Rahmen, wir brauchen Grenzen, wir brauchen einen Fokus. Oder andersrum ausgedrückt: Zuviel Freiheit überfordert. So unglaublich sich das auch anhört, da sich doch die meisten mehr Freiheit wünschen würden!
Aber: Wenn alles möglich ist, dann ist es viel schwieriger zu entscheiden, was nötig ist. Wenn aber nur manches möglich ist, weil es Grenzen gibt, dann ist es einfacher zu sehen, was nötig ist. Also ist es wohl die Hauptaufgabe sowohl von Führung als auch von Erziehung, Grenzen zu setzen, die auf der einen Seite hilfreich sind, weil sie das Mögliche eingrenzen und dabei darauf zu achten, dass die Grenzen nicht zu eng sind, dass kein Gestaltungsfreiraum mehr bei dem was nötig ist, bieten. Eine komplexe Aufgabe, denn die Faktoren, um diese Grenzenbildung vorzunehmen, sind nicht überschaubar und werden in einer Gruppe von Menschen noch ungleich schwieriger. Dabei ist es dann auch uninteressant, ob es die klassische Führungskraft gibt oder ob mit neueren Konzepten wie Agilität, Peer Groups oder Soziokratie gearbeitet wird.
Eines steht für mich fest: Grenzen sind unumgänglich und kaum sind sie aufgestellt, wird sich in jeder heterogenen Gruppe jemand finden, der dagegen rebelliert. Sie sind Fluch und Segen zugleich, aber nicht wegzudenken!
Und auch Führungskräfte und Eltern brauchen natürlich Grenzen. Vielleicht hilft dieser Artikel schon dabei…

Foto: Rainer Sturm, “Sporthallenboden mit Farblinien”, Quelle: www.pixelio.de

 

2 Comments for this entry

  • Ruth sagt:

    Ich beschäftige mich auch mit dieser Thematik. Ich versuche gerade unserem
    Management beizubringen, dass sie keinen Respekt von ihren Mitarbeitern erwarten
    können, wenn sie ihren Mitarbeitern keinen Respekt zollen. Bei der Suche nach Argumenten,
    warum es so wichtig ist, Vorbild zu sein und Werte zu vermitteln, stieß ich auch auf diese
    Parallelen zwischen Führung und Erziehung. Dein Beitrag gibt mir zwar auch keine Argumente
    an die Hand, hat meinen Blickwinkel aber sehr erweitert.
    Ja, warum ist das so?
    Hat es nicht vielleicht auch mit der Machtposition zu tun? Wäre es nicht schön, wenn der
    Mächtige die schönen ethischen Werte vermitteln würde?
    Vielen Dank für deinen tollen Beitrag!

    • Björn sagt:

      Nachdem ich mir meinen Artikel nach 2 Jahren selber nochmal durchgelesen habe, fällt mir auf, dass ich ihn heute um folgende Aspekte erweitern würde:
      Führung bedeutet Selbstreflektion. Auf der einen Seite bei sich und dann nartürlich auch, sie bei dem anderen zu ermöglichen. Letztendlich ist das Persönlichkeitsentwicklung. Was also heißt, dass eine Führungskraft “persönlichkeitsentwickelter” als seine/ihre Mitarbeiter sein sollte. Traditionell wird ja eher darauf geschaut, das die Führungskraft, der/die beste im Fach ist. Das ist ein Auslaufmodell, davon bin ich überzeugt.

      Noch ein Kommentar zu deinem Problem:
      Wenn Respekt fehlt, dann wird nicht gesagt, was gedacht wird. Die beiden Parteien sind dann nicht miteinander verbunden und erwarten Sachen vom anderen, die der nicht bringt. Warum auch immer… Möglich oder nicht… Dieses Problem zu lösen ist eindeutig Führungsaufgabe! Sie müssen den Dialog wieder aufnehmen und rauskriegen, was fehlt. Das kann in so einem Umfeld nicht von Mitarbeitern kommen.

      Vielleicht hilft’s. Viel Erfolg.

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