Gedanken zum Sinn des Lebens

20. Dezember 2010

Die schwer gewichtige Frage nach einem Sinn des Lebens ist meiner Meinung eine Abstraktion der oft gestellten Fragen à la:

  • Was ist meine Berufung oder welcher Beruf ist für mich der Richtige?
  • Welche Menschen passen wirklich zu mir oder warum scheitern Beziehungen?
  • Was muss ich oder müssen andere tun, damit ich immer glücklich sein kann?

Der Sinn des Lebens scheint sich demnach auf eine einfache Formel zu reduzieren:

Das Richtige tun, um damit die Zeit zu maximieren, die man positive Emotionen hat.

Doch die Erfahrung des Lebens zeigt, dass wir diesen Wettlauf nicht gewinnen können und treibt uns zur Einsicht, dass diese obige Formel geradewegs in eine Abwärtsspirale führt.

Doch bevor ich hierauf eingehe, noch ein Gedanke, warum obige Formel in uns als Überzeugung entsteht. Die Ursache liegt in unserer Kindheit. Damals haben wir gelernt, dass wenn wir das Richtige tun (was richtig ist, haben unsere Bezugspersonen bestimmt, also z.B. Eltern), dann wird uns Liebe und Anerkennung (von den Bezugspersonen, die sich deshalb nicht mit ihren Problemen beschäftigen mussten) entgegengebracht und alle sind glücklich. Wir haben uns also an anderen ausgerichtet, uns selber aufgegeben, um positive Emotionen entwickeln zu können. Und zwar auch dann, wenn das geforderte Verhalten eigentlich nicht unserem Wunschverhalten entsprochen hat. Trotzdem war es überlebenswichtig, so zu handeln. Die daraus entstandenen Konflikte haben wir in uns gespeichert und zum Zwecke des Selbstschutzes durch Abwehr und Verdrängung aus dem Bewusstsein geschoben. Und so laufen wir heute immer noch dem Konzept hinterher “das Richtige tun, führt zu positiven Emotionen und ist gut ↔ das Falsche tun, führt zu negative Emotionen und ist schlecht”.

Welches Konzept ist denn nun aber anstrebenswert?

Meiner Meinung nach geht es im Leben darum, die inneren Konflikte aufzulösen. Für mich ist es hinreichend bewiesen, dass wenn wir diesem Weg nicht folgen, diese Konflikte gespeichert bleiben, unsere Realität beeinflussen und danach streben, gelöst zu werden. Wenden wir uns ihnen nicht zu, richten wir sie entweder gegen uns oder andere (Übertragung/Projektion). Danach gehen sie früher oder später ins körperliche über und Krankheiten sind das Resultat. Kümmern wir uns hier nur um die Symptome (wie es die Schulmedizin leider meistens rät), so werden die Krankheiten chronisch und dann schließlich pathologisch.

Dabei finden sich diese Konflikte in allen psychologischen Betrachtungen und verschiedensten Lehren wieder und haben dann zu tun mit Begriffen wie Abwehr, Masche, Maske, Stresstrigger, Bahnungsmomente, Blockaden, Antreiber, Bremser, Zuschreibungen, Skript, Rabattmarken usw. Wissen gibt es über diesen Sachverhalt also genug. Es mangelt am Mut, sich den eigenen Konflikten zu stellen, damit negative Emotionen zu provozieren und anschließend Verantwortung für deren Bearbeitung zu übernehmen.

Schlagen wir jedoch den Weg der Auflösung unser gespeicherten Konflikte ein, unterstützen uns zwei Dinge:

  • Unsere Emotionen
    Sie zeigen als Kompass den Weg. Jede unserer Emotionen, die der Situation nicht angemessen ist, zeigt uns einen gespeicherten inneren Konflikt und damit einen potentiellen Arbeitspunkt…
  • Unser Verstand
    …und da wir nicht alle Konflikte auf einmal auflösen können, bleibt nur: Damit leben! Und dabei hilft der Verstand. Er weiß, dass negativen Emotionen wieder positive folgen werden und umgekehrt. Ausserdem kann der Verstand entscheiden, wieviel Zeit und Energie der Auflösung der Konflikte und wieviel dem Leben damit spendiert werden soll.

Durch diese zwei Helfer können wir eine innere Gelassenheit bei der Auflösung der inneren Konflikte entwickeln, was seinerseits zu mehr Energie führt. Eine Aufwärtsspirale ist installiert. So müssen wir uns nicht mehr aufgeben und können frei entscheiden, welches Verhalten wir wählen.

Essenz:

Der Sinn des Lebens besteht darin, gelassen den Weg der Auflösung der inneren Konflikte zu gehen und dabei stets abzuwägen, wieviel Zeit und Energie für diese Auflösung und wieviel für ein Leben mit den noch nicht aufgelösten Konflikten einzusetzen ist.

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