Der Sinn des Gefühls

2. Juni 2004

Um den Sinn von Gefühlen zu verdeutlichen, lassen Sie uns weit zurück in der Entwicklung eines Menschens gehen. Ein Kind lernt sehr früh, wie es überleben kann: Es muß seine Gefühle äußern! Da sind so grundsätzliche Sachen, wie “Ich habe Hunger!” oder “Ich bin müde!” oder vielleicht auch nicht so lebensbedrohliche Sachen wie “Ich will mir XY angucken, komm’ aber nicht dran”. Aber auch später noch lassen Kinder ihren Gefühlen freien Lauf, so z.B. “Ich will aber vor dem Schlafen gehen noch Computer spielen und auch noch Fernseh schauen, aber meine Eltern lassen mich nicht!”. Wenn Sie selber Kinden haben, kennen Sie das sicherlich. Sie selbst fühlen sich oft ausgenutzt, als Folge ausgelaugt und in Ihrer Position ziemlich allein gelassen. Und das nur, weil Ihr Kind seine Gefühle geäußert hat?

Natürlich tragen auch hier zwei Seiten zur Erzeugung dieser negativen Gefühle auf Ihrer Seite bei. Lassen Sie uns mal die Seite Ihres Kindes betrachten. Was haben die Gefühlsäußerungen Ihres Kindes für eine Bedeutung, wo liegt der Sinn des Gefühls?

Im Grunde lassen sich Gefühle als eine Art Erpressungsversuch deuten, den eigenen Wunsch durchzusetzen.

Mir ist die Tragweite dieser Aussage durchaus bewußt, denn ich behaupte hier, dass jegliche Gefühlsäußerung, ob positiver oder negativer Art, dazu bestimmt sind, das Verhalten eines anderen Menschens zu beeinflussen, also letztendlich zu verändern.

Die logische Schlußfolgerung auch für Kinder wäre nun: Kinder sollen ihre Gefühle nicht ausdrücken!

Diese Ansicht lehne ich jedoch ohne Ausnahmen ab, weil:

  • Kinder sonst nicht überlebensfähig wären,
  • Kinder sich über diesen Weg einen Stand in unserer Gesellschaft aufbauen müssen und
  • es nachweislich ein funktionierender und früh zu erlernener Mechanismus ist, um zwischenmenschliche Einigung zu erzielen.

Aber wie lautet die Schlußfolgerung?

Die Antwort lautet, dass Gefühle, wenn sie auftreten, in Ordnung sind. Nicht das Unterdrücken ist die Lösung, sondern der besonnene Umgang mit ihnen. Es darf nie aus den Augen verloren werden, dass Gefühle sich auf einen Menschen, der in seiner Realität “fühlt”, beziehen.

Essenz:

Gefühle sind etwas persönliches und man sollte sich davon entfernen, sie als Mittel zur Beeinflussung von anderen Menschen einzusetzen.

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