Gefühle und Handlungen

16. April 2004

Da durchfährt es Sie wie ein Blitz und Sie merken es erst richtig, wenn alles vorbei ist. Geschafft sinken Sie nieder und fragen sich, warum das immer Ihnen passieren muß.

Kommt Ihnen diese Situation bekannt vor, aber sie sind nachweislich noch nie von einem Blitz getroffen worden? Denken sie an die letzte Begegnung mit Ihrem Ex-Partner, Ihrem Chef oder einem besonders gehassten Arbeitskollegen?

Sie haben recht, es geht gar nicht um den Blitz, es geht um etwas ganz anderes, etwas, was sich aber für die meisten von uns genauso drastisch auszuwirken scheint: Ein Gefühl.

Gefühle sind einfach da und zwar in unterschiedlicher Intensität, wie folgende Beispiele belegen:

  • Sie sind wütend, weil Ihnen die Vorfahrt genommen wird.
  • Sie sind traurig, weil ein geliebter Mensch aus Ihrem Leben gegangen ist.
  • Sie freuen sich, weil Sie im Preisausschreiben gewonnen haben.
  • Sie sind traurig, weil Sie noch nie im Preisausschreiben gewonnen haben.
  • Sie schämen sich, weil Sie sich zu dick oder dünn oder groß oder klein finden.
  • Sie langweilen sich, weil Sie denken, dass diese Liste ja unendlich sein müsste…

Gefühle gibt es in positiver und negativer Ausprägung, aber es scheint beiden Gefühlsformen gemeinsam zu sein, dass wir ihnen, wenn sie ersteinmal aufgetreten sind, hoffnungslos ausgeliefert sind.

Nun, so schlimm muß es nicht kommen. Wenn wir lernen, unsere Gefühle zu akzeptieren, anstatt Ihnen willenlos nachzugeben, wenn wir lernen, wie diese Gefühle entstehen und wo ihr Ursprung zu suchen ist, dann befinden wir uns auf dem richtigen Weg, uns eine Stufe emporzuschwingen und den Einschlag zu überstehen.

Die wichtigsten Stationen auf diesem Weg sind:

  1. Erkennen, wenn ein Gefühl droht einzuschlagen.Wenn Sie nun sagen: Ha ha, wenn ich das könnte, gäbe es ja auch kein Problem. Das ist richtig. Mein Rat: Üben! Das nächste Mal, wenn ein Gefühl sie übermannt, treten sie sofort, nachdem sie diese Erkenntnis gewonnen haben, einen Schritt im Geiste zurück, holen Sie einmal tief Luft. Wenn das auch nicht hilft, verlassen Sie den Ort, an dem sie sich gerade befinden und suchen einen anderen auf. Dann beschreiben Sie das Gefühl für sich. Achten Sie auf körperliche Anzeichen. Verkrampfen Sie? Wo? Spielen Sie mit dem Gefühl: Lassen sie es aufkommen und wieder abklingen in Ihrem Geiste. Wie verhält sich Ihr Körper?

    Wenn Ihnen das gelingt, sind sie bereits einen Schritt weiter. Herzlichen Glückwunsch!

  2. Lassen Sie das Gefühl kommen und akzeptieren Sie es.Lassen Sie das Gefühl da sein. Sagen Sie sich: “So, nun bin ich also wütend, ich könnte ihn/sie erschlagen.” oder “Jetzt bin ich wirklich richtig traurig, ich könnte auf der Stelle an zu weinen.” Wie auch immer, das Gefühl ist da und es ist viel zu spät, etwas dagegen zu unternehmen.
  3. Überlegen Sie eine Handlung auf dieses Gefühl.Da sind Sie nun mit Ihrem Gefühl. Was jetzt? Macht es wirklich Sinn, Ihrem Gefühl nachzugehen, also z.B. Ihre Wut voll auszuleben (aber bitte niemanden verletzten)? Meistens hat diese “logisch” anmutene Handlung genau den gegenteiligen Effekt. Überlegen Sie und entwerfen Sie eine andere Handlungsstrategie. Sie könnten z.B. dem Gegenüber Ihre Gefühle mitteilen. Wenn Sie dies auf perfekte Art und Weise zu tun gedenken, dann verwenden Sie die Feedback-Regeln hierzu.
  4. Führen Sie die Handlung aus.Führen Sie Ihre Handlung aus. Das kann natürlich auch ein ungehehmtes Ausleben der Emotionen sein. Wie auch immer sie sich entscheiden, bleiben sie am Ball und prüfen die Reaktion Ihrer Umwelt auf Ihre Handlung. Fällt sie wie erwartet aus, was könnten sie das nächste Mal ändern?
  5. Schauen Sie, was diese Handlung mit Ihnen macht.Und was ist eigentlich bei Ihnen passiert? Geht’s Ihnen besser oder noch schlechter. Versuchen Sie Ursachen bei sich zu finden, um vielleicht das nächste Mal anders zu reagieren.
  6. Finden Sie zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Zustand der inneren Ruhe und erkunden Sie die Ursache des Gefühls.Das ist nun der schwierigste, aber auch gewinnträchtigste Teil der ganzen Angelegenheit. Bisher haben wir uns mit den Symptomen beschäftigt und nicht mit der Ursache. Nur wenn wir uns an die Ursache von Gefühlen heranwagen, kommen wir der Sache näher. Dazu mehr in einem nächsten Aufsatz…
Essenz:

Wenn ein Gefühl aufgetreten ist, kann es nicht mehr verhindert werden. Sie haben jedoch immer noch die freie Wahl, sich eine angemessene Reaktion auszudenken und sie durchzuführen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Previous Post
«